Ob und wie es bei mir weiter geht

Auf Grund meiner aktuellen Verurteilung wegen der angeblichen Erschleichung von (Beförderungs-) Leistungen und den auch damit verbundenen zahlreichen auf mich eingestürzten Informationen und Meinungen, habe ich nach einem ausgiebigen Nachmittagsschlaf die Entscheidung getroffen, weiter intensiv nach Möglichkeiten und Wege zu suchen, gegen die mir zuteil werdende Stigmatisierung und Kriminalisierung vor- und somit in Berufung zugehen. Ich werde mich weiterhin NICHT durch finanzielle Vorab-Sanktionen in meiner alltäglichen Bewegungsfreiheit einschränken lassen, auch wenn dies früher oder später eventuell die eine oder andere Haftstrafe nach sich ziehen sollte.

Gerade was mögliche Haftstrafen in dieser Angelegenheit angeht, sehe ich diesen inzwischen sogar sehr wohlwollend entgegen, da ich mich schon seit geraumer Zeit nach innerer Ruhe und absoluter Muße sehne, die ich auf Grund meiner mir selbst auferlegten Beschäftigungs- und Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen einfach nicht finde. So möchte ich schon seit geraumer Zeit bestimmte Lebensabschnitte meines wundervoll katastrophalen Lebens zu Papier klecksen, wozu ich in meinem freiheitlich gewählten Hamsterrad einfach nicht komme.

Diese Schreibarbeiten betreffen zum einen drei mir sehr wichtige Lebensabschnitte und den daraus resultierenden Erkenntnissen (auf familiärer, auf beruflicher sowie auf gesellschaftlicher Ebene. Letzteres vor allen auf Basis meiner mehrfachen Reisen quer durch Russland und Kirgisien), die vor einigen Jahren letztendlich zu meinem völligen Zusammenbruch und meinem unbedingten Wunsch, nicht mehr auf dieser Welt weiter leben zu wollen, geführt hatten. Auch möchte ich die Geschichte noch einmal neu* zu Papier bringen, warum ich wegen Brandstiftung vorbestraft bin, da diese Frage immer stärker im Raum stehen wird, je mehr ich durch meine gesellschaftspolitische Arbeit in der Öffentlichkeit stehe.

*) Diese Schreib-Arbeit hatte ich schon einmal bei einem Aufenthalt in einer Irrenanstalt vollführt, in die ich mich im Rahmen meiner Untersuchungshaft (nachdem ich mich nach meiner Tat selbst der Polizei gestellt hatte) auf eigenen Wunsch hatte einweisen lassen. Unbewusst hatte ich mal wieder genau das richtige getan, so dass ich mit Hilfe des (mir bis dahin selbst unbekannten) therapeutischen Schreibens, viele Erlebnisse verarbeiten und mich vor allen von unzähligen falschen Schuldzuweisungen, die mich innerlich immer mehr auffraßen, befreien konnte. Ohne diesen (völlig unbewussten!) inneren Befreihungsschlag bestand die große Gefahr, nach dem Erleben von sieben Jahren häuslicher Gewalt, selbst als seelisches Krüppel weiter leben müssen. Solchen Entwicklungen trotze ich aber zum Glück immer wieder – früher völlig unbewusst** und heute dafür aber sehr bewusst – was meinem Dasein heute bzw. stetig eine ungeahnte Lebensqualität zurück gibt.

**) Mann nennt dieses systemINkonforme Verhalten auch „Brüche im Lebenslauf“, die von der Gesellschaft aus völliger Unwissenheit heraus (wie z.B. auch die eigentlich sehr positven Aspekte von Hartz-IV) absolut negativ bewertet werden. Hierdurch erklärt sich auch die große Heerschar von automatisch funktionierenden Werktätigen, die ich gerne auch als „Zombie-Zone“ bezeichne und mit denen ich NIE wieder etwas zu tun haben will.

Ich bedanke mich an dieser Stelle bei allen Mitstreitern und Sympathisanten, die an meiner „Verurteilungs-Party“ beim Amtsgericht Tiergarten teilgenommen haben und das natürlich auch mit dem Hinweis…

Die Party geht weiter 🙂

.

PS: Zum Glück weiß ich (heute), dass ich ein absoluter Siegertyp bin, denn ich war einmal das stärkste Sperma meiner Gruppe. Erst die Gesellschaft hat versucht aus mir einen Verlierer zu machen. 😉

 

 

 

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6 Kommentare

Eingeordnet unter Allgemein

6 Antworten zu “Ob und wie es bei mir weiter geht

  1. Alfred

    Herr Fielsch, während der Gerichtsverhandlung soll der zuständigen Richterin in etwa oder genau der folgende Satz entschlüpft sein:

    „Hier geht es um einen strafrechtlichen Prozess … Die Höhe von Hartz IV ist nicht das in Frage stehende Problem – das hat die Politik zu regeln. Bei mir werden meistens Essensdiebstähle verhandelt. Wenn wir auf solche Gründe eingehen würden, dann wäre was los …“

    bzw/und:

    … „dann wäre unser System gefährdet.“

    Können Sie und eventuell noch andere Hörer diese Unglaublichkeit bezeugen? Ihrer radikalen Verurteilung gemäss sieht es ja fast ganz danach aus.
    Das wäre die Sprache, wie man sie in Diktaturen spricht!

    • Hallo Alfred,

      ich, sowie gut zwanzig weiter Prozessbesucher können Dir genau diesen Umstand bzw. ungefähren Wortlaut bestätigen. Ob und wie dies alles in der weiteren Auseinandersetzung eine Rolle spielen wird, kann ich heute noch nicht sagen. Ich habe jetzt erst einmal Berufung gegen das Urteil eingelegt…

      http://wp.me/p3GGBt-r9

      und bin auf der Suche nach einem Rechtsbeistand.

  2. Uwe Schneider

    „Ich sehe mir die Zelle an. Niemals wäre ich je auf den Gedanken gekommen, daß ein Land wie Frankreich, die Mutter der Freiheit der ganzen Welt, auf dessen Boden die Menschen- und die Bürgerrechte geboren wurden, sogar auf Französisch-Guayana, einer einsamen Insel im Atlantik, die nicht viel grösser als ein Taschentuch ist, eine so barbarische Einrichtung haben könnte wie das Zuchthaus von Saint-Joseph.
    Stellen Sie sich hundertfünfzig Zellen vor, eine neben der anderen, und
    jede Rücken an Rücken mit einer anderen Zelle liegend,und jede aus vier dicken Mauern, die nur von einer kleinen Eisentür mit einem kleinen Fenster darin durchbrochen sind. Über jedem der kleinen Fenster steht an die Tür gepinselt: „Diese Tür darf nur mit erlaubnis der Direktion geöffnet werden.“ Links eine Pritsche mit einem Keil aus Holz, gleiches System wie in Caen: Die Pritsche wird an die Wand zurückgeschlagen. Eine Decke, ein Betonblock in der Ecke als Hocker, ein Handbesen, ein Eisenbecher, ein Holzlöffel, eine senkrechte Eisenplatte, mit welcher der metallene Klosetteimer dahinter durch eine Kette verbunden ist. Die Decke, drei Meter höher, besteht aus gekreuzten Eisenstangen, dick wie Eisenbahnschinen, die so dicht liegen, daß kaum etwas durch kann. Darüber ist das Dach des Gebäudes, ungefähr sieben Meter hoch. Im Hintergrund der Zellen läuft überhängend ein ein Meter breiter Steg für die Posten, mit einem Eisengeländer. Zwei Aufseher patrouillieren unaufhörlich von einem Ende des Ganges bis zur Mitte, wo sie einander begegnen und wieder umkehren. Der Eindruck ist grauenvoll. Das Tageslicht fällt nur bis zu diesen Sreg herein. Unten in der Zelle sieht man sogar bei vollem Tageslicht kaum etwas. Ich beginne sofort meinen Marsch, bis der Pfiff oder weiß Gott was zum Herunterlassen der Pritsche ertönt. Um keinen Lärm zu machen, gehen Gefangene wie Wärter in Filzpantoffeln. Hier auf Nummer 234, wirst du versuchen zu leben, ohne verrückt zu werden.
    Charrière, genannt Papillon denke ich unwillkürlich. Zwei Jahre, das sind
    siebenhundertdreißig Tage. Ich werde den Spitznamen des Gebäudes -„Die Menschenfresserin“- Lügen strafen!
    Eins, zwei, drei, vier, fünf – kehrt. Eins, zwei, drei, vier, fünf – kehrt.“…

  3. Alfred

    Herr Uwe Schneider? Heisst das, Sie können Zeugnis ablegen?

    • Uwe Schneider

      Nein. Das ist ein Auszug aus Henry Charrière´s Buch „Papillon“. Ich wollte dem armen Herrn Fielsch nur Mut machen denn bei Ihm wird es ja so schlimm nicht werden. ;D
      Übrigens hoffe ich, daß er ein Einzelzimmer kriegt, wenn er in den Knast kommt. Schließlich möchte er ja seine Ruhe haben…

      • taspie

        Na ja, die Verhältnisse in französischen Übersee-Strafkolonien um die vorletzte Jahrhundertwende sind mit heutigen Berliner Gefängnissen wohl nicht zu vergleichen.

        Ich sehe Michael weniger in der Tradition der Gefangenen auf der Teufelsinsel, als in Analogie zu Gandhi, der für seine Überzeugungen ins Gefängnis gegangen ist.

        Oder im Vergleich zu Viktor Klemperer, der 1941 wegen „nicht rechtzeitiger Verdunkelung“ eine Woche ins Gefängnis musste, und seine Haftzeit eindrucksvoll in seinen Tagebüchern schildert (Ich will Zeugnis ablegen bis zum letzten. Tagebücher 1933 – 1945)

        Vielleicht gibt es ja auch mal einen Knastbericht des Wendeberaters. Wir dürfen gespannt sein.

        Oder die Gerichte geben ihm irgendwann Recht. Hat das BVerfG nicht gesagt, der Gesetzgeber muss dafür Sorge tragen, dass die Mobilität gewährleistet ist? (BVerfG, 1 BvL 10/12, Absätze 114, 145)

        Oder wir erleben bald die nächste Wende.

        Die Zukunft ist voller Möglichkeiten …

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